Dem Kaktus und der Traube verpflichtet
(Trierischer Volksfreund, 23.03.2010, Eva Großeastroth)
Die Riesling Harmonists feiern ihr zehnjähriges Bestehen - 300 Zuschauer beim Jubiläumskonzert in Neumagen-Dhron
Von unserer Redakteurin Eva Großeastroth
NEUMAGEN-DHRON. Volles Haus im Römerkastell in Neumagen-Dhron: Mit 300 begeisterten Besuchern haben die Riesling Harmonists ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Auf dem Programm standen zahlreiche Klassiker der Vorbilder Comedian Harmonists, aber auch Evergreens und Weinlieder.
Neumagen-DhronVolles Haus im Römerkastell in Neumagen-Dhron: Mit 300 begeisterten Besuchern haben die Riesling Harmonists ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Auf dem Programm standen zahlreiche Klassiker der Vorbilder Comedian Harmonists, aber auch Evergreens und Weinlieder.
Zum Ständchen ein Glas Wein: Harmonist Franz Josef Schmitt. TV-Foto: Eva Großeastroth
"Der Kaktus!", ruft jemand aus dem Publikum. "Ja, jetzt kommt der Kaktus", antwortet Horst Goerres und erntet ein zufriedenes "Aaaah". Fast drei Stunden haben die Riesling Harmonists ihre Zuhörer auf die Folter gespannt, und dann ist er da - hollari, hollari, hollaro: Mehrstimmig intonieren die Sänger das berühmte Lied vom kleinen grünen Kaktus. Das Publikum im Römerkastell in Neumagen-Dhron dankt den Mosel-Musikern mit stehenden Ovationen.
Mit dem Kaktus-Lied der Comedian Harmonists hat vor zehn Jahren alles angefangen. Acht engagierte Musiker wollten damals über das traditionelle Repertoire eines Männergesangsvereins hinausgehen. Unter der Anleitung von Horst Goerres studieren sie die Stücke des Berliner 30er-Jahre-Ensembles ein, hinzu kommen Evergreens, Musical-Songs und - der Name ist Verpflichtung - das eine oder andere Weinlied. Heute gehören zwölf Sänger aus Trittenheim, Neumagen-Dhron, Brauneberg und Piesport zum Chor, die Altersspanne reicht von 37 bis 75 Jahren. Sie alle eint die Liebe zur Musik - und zum Wein. Das Erfolgsrezept ist simpel: "Üben" sagt Goerres und ergänzt: "Harmonie in der Mannschaft ist uns ganz wichtig." Das spüren auch die Zuschauer beim Jubiläumskonzert am Wochenende: Da passt die Stimmung, da stehen Männer auf der Bühne, die nehmen es wörtlich, wenn sie singen "Ein Freund, ein guter Freund…". Unter dem Motto "Ein Lied geht um die Welt" haben sie ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das vom Harmonists-Klassiker "Veronika, der Lenz ist da" über englischsprachige Lieder wie "Yesterday" bis zur Liebeserklärung an den Mosel-Wein ("An der Mosel wächst ein Riesling") reicht. Die ganze Klasse der einzelnen Sänger zeigt sich bei den Solo-Parts, in denen Karl Heinz Falkenburg, Franz Josef Schmitt und Karsten Fleury glänzen. Außerdem haben sich die Herren weibliche Unterstützung mitgebracht: Opernsängerin Ingrid Wagner überzeugt mit mehreren Soli, darunter dem Klassiker "Ich gehöre nur mir" aus dem Musical "Elisabeth". Stimmgewaltig beherrscht die ausgebildete Mezzo-Sopranistin das Spiel mit den Zuhörern und den Sängern auf der Bühne. Ist das Publikum bis zur Pause noch etwas verhalten, locken die leicht-frivolen Lieder im zweiten Konzert-Teil es endgültig aus der Reserve. Erst nach mehreren Zugaben dürfen sich die Riesling Harmonists verabschieden und singen: "Dankeschön, auf Wiedersehen." Die Zuhörer werden sie beim Wort nehmen.
"Rock around Lindenbaum!"
(Trierischer Volksfreund, 01.04.2003)
"Riesling Harmonists" brachten das Trittenheimer Jugendheim zum Beben.
TRITTENHEIM. Der erste offizielle Auftritt der Männergesanggruppe "Riesling Harmonists" wurde von knapp 300 Zuschauern im Trittenheimer Jugendheim frenetisch gefeiert. Zusammen mit dem Solisten Klaus Basten von der bayerischen Staatsoper gelang ein musikalisches Potpourri voller Witz und Klasse.
Ratlosigkeit stand auf den Gesichtern der zahlreichen Helfer und Helferinnen im Trittenheimer Jugendheim geschrieben angesichts der Besuchermassen, die gekommen waren, um die Premiere der "Riesling Harmonists" live zu erleben. Die 250 offiziellen Eintrittskarten waren schon vor Wochen weg gegangen wie warme Semmeln. Aber darüber hinaus hatten offensichtlich auch noch viele andere Fans auf die eine oder andere Weise ihren Weg in die Halle gefunden, so dass zahlreiche zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Am Ende platzte das Trittenheimer Jugendheim aus allen Nähten; die Erwartung der Gekommenen war entsprechend hoch.
Drei Jahre ist es jetzt her, da sich die "Riesling Harmonists" 1999 aus einem lockeren Verband Gesangsbegeisterter zu einer professionellen Truppe entwickelt haben. Wesentlichen Anteil an der Entwicklung hat Musiktrainer Horst Goerres, der die mittlerweile elf Sänger zwischen 30 und 67 Jahren nicht nur stimmlich unterrichtet, sondern ihnen auch die nötige professionelle Einstellung vermitteln konnte. So gehen Einsatz und Engagement zwangsläufig weit über das eines Freizeitchores hinaus. "Die letzten Wochen vor dem Auftritt, haben wir jeden Abend geprobt," erinnert sich Karsten Fleury, der Benjamin der Gruppe. Keine geringe Leistung, bedenkt man, dass die meisten Mitglieder tagsüber einem Beruf nachgehen. Und es waren keine gewöhnlichen Proben. Denn es galt mit einem echten Profi zusammen zu arbeiten, dem Bassisten Klaus Basten von der bayerischen Staatsoper. Der gebürtige Trittenheimer hatte sich auf Anfrage sofort bereit erklärt zu einem gemeinsamen Konzert und war für die nötigen Proben jeweils extra aus München an die Mosel geeilt. Für ihn, so Basten, sei es eine wunderbare Gelegenheit sein Können auch einmal zu Hause zu demonstrieren.
Für die Trittenheimer Premiere stellten sich Chor und Solist dem Publikum mit einem bunten Repertoire aus drei Jahrhunderten vor. Dramaturgisch geschickt arbeitete sich das Programm vom anspruchsvollen Klassizismus über die sensible Romantik eines Franz Schubert bis hin zur frivolen Salonmusik von "Bel Ami" sowie diversen Musical Einblicken (u.a. "My Fair Lady") vor. Auch eine Hommage an die Mosel und den Wein durfte nicht fehlen. Martin Dahlems Mosel-Hymne "An der Mosel wächst ein Riesling", von Klaus Basten mit überzeugendem Lokalenthusiasmus dargeboten, ließ prompt die Herzen des einheimischen Publikums höher schlagen und provozierte erste Bravo-Rufe. Unumstrittener Höhepunkt des Abends war jedoch ein Liederstrauß der berühmten Comedian Harmonists, dem eigentlichen Vorbild der Riesling Harmonists. Da gab es kein Halten mehr für die 300 Zuschauer. War die Resonanz vor der Pause noch relativ verhalten gewesen - was keineswegs mit der Qualität der Darbietung, sonder eher mit der Besinnlichkeit der Texte zu tun hatte - begannen spätestens mit dem "Kleinen Kaktus" und dem "Freund, dem guten Freund" immer mehr Füße im Takt zu wippen, die Gesichter, selbst die der jüngsten Besucher, strahlten plötzlich und schließlich konnten auch die Hände nicht anders, als den mitreißenden Melodien und zeitlos witzigen Texten aus den 30er Jahren durch begeistertes rhythmisches Klatschen Tribut zu zollen. Die Riesling Harmonists waren dabei den teilweise äußerst anspruchsvollen Harmonien ihrer berühmten Berliner Vorbilder zu jeder Zeit gewachsen. Besonderen Jubel erfuhr Horst Goerres' eigene originelle Bearbeitung von Franz Schuberts "Am Brunnen vor dem Tore". Der Text des allbekannten Lieds, der auch von den Comedian Harmonists interpretiert worden ist, forderte das Publikum zu einer höchst unterhaltsamen Entdeckerreise in die unterschiedlichsten musikalischen Evergreens vom Volkslied über Walzer bis Rock'n'Roll heraus. Wen wundert's da noch, dass die Riesling Harmonists und Klaus Basten erst nach mehreren Zugaben vom stehend jubelnden, Wunderkerzen schwenkenden Publikum von der Bühne gelassen wurden.
Musiktrainer Horst Goerres komponierte und dirigierte nicht nur, sondern gab auch am Klavier zusammen mit dem Pianisten Detlev Lehnert aus Piesport den Ton an. Wesentlichen Anteil am Erfolg des Abends trägt auch Robert Schattel, der wie die Sänger zeitgemäß im Frack und als Conferencier überaus charmant plaudernd durch das Programm führte. Als großartige Idee erwies sich ebenso die Bewirtung der Zuschauer rund ums Konzert atmosphärisch angemessen mit Sekt, Wein, Lachshäppchen und einer großen Premierentorte.
Ein Freund, ein guter Freund!
(Trierischer Volksfreund, 24.03.2003)
"Riesling Harmonists" bringen Pepp in den klassischen Männergesangsverein.
TRITTENHEIM. 1999 wurde an der Mosel eine Gesangsgruppe der besonderen Art gegründet. Elf sangesbegeisterte Männer aus Neumagen-Dhron, Trittenheim und Umgebung demonstrieren seitdem mit stetig wachsendem Erfolg, dass Männergesangsvereine nicht tot sind.
"Versuchen Sie mal einen Teenager in den örtlichen Gesangsverein zu locken." Horst Goerres und Robert Bollig werfen sich vielsagende Blicke zu. Auf der einen Seite scheint das Konkurrenz-Freizeitangebot durch Sportvereine übermäßig, auf der anderen gilt es unter Jungs offensichtlich als wenig männlich die eigene Stimme im Gesang zu üben. Oder liegt es vielleicht am aktuellen Programm der Gesangsvereine? Welchen Jugendlichen gruselt es in unserer Zeit nicht vor traditionellem Liedgut wie "Sah ein Knab' ein Röslein steh'n"? Goerres und Bollig gestehen, dass auch ein Großteil der Mitglieder ihrer Riesling Harmonists "Flüchtlinge" seien. Viele wollten endlich einmal etwas Anderes singen: Oldies, Evergreens und eben auch das Repertoire der berühmten Comedian Harmonists aus den mondänen 30er Jahren. Dazu aber genügte es nicht, wie sich bald herausstellte, den Gesang lediglich als ein Wochenendhobby zu betreiben. Für diese anspruchsvolle Art von Gesang waren Talent, Disziplin, Ehrgeiz und Geduld erforderlich. Und nicht zuletzt ein professioneller Trainer, der nicht nur den Taktstock schwingen konnte, sondern auch über die entsprechende Autorität und das theoretische sowie praktische Wissen verfügte.
Eine Aufgabe, wie geschaffen für den ehemaligen Musiklehrer Horst Goerres. Dessen Begeisterung und Elan für die Sache hätten den Riesling Harmonists, so die Mitglieder einmütig, erst den entscheidenden Durchbruch gebracht. Goerres selbst wehrt bescheiden ab. Wenn die Chemie unter den Mitgliedern nicht stimme, kann auch ein Trainer Nichts ausrichten, weiß er aus Erfahrung. Darum erfolgte die Auswahl der Sänger nicht nur unter gesanglichen, sondern auch sozialen Aspekten. "Einer unserer wichtigsten Charakterzüge," betont Robert Bollig, Zweiter Tenor und Manager der Truppe, "ist unsere Offenheit." Hier werde Nichts hinter dem Rücken von Mitgliedern gemauschelt. Probleme landen offen auf dem Tisch. Wer sich an diese einfache Regel halte, sei willkommen. Das Ergebnis ist eine elfköpfige Gruppe, die das berühmte Lied der Comedian Harmonists vom "...guten Freund" nicht nur singt, sondern auch in die Praxis umsetzt und das unabhängig vom Alter. So ist das jüngste Mitglied der Riesling Harmonists dreißig Jahre alt, das älteste 67. Und auch das unterschiedliche berufliche Umfeld stellt kein Problem dar. Ob Winzer, Lehrer, Ingenieur, Bäcker, Drucker oder Hotelier - die Truppe präsentiert sich als gefestigte Einheit. "Harmonie," behauptet Goerres zwinkernd und verweist auf den Namen seines Chors, "das ist für uns Programm."
Darum ist es für ihn und seine Mitstreiter auch selbstverständlich, die Ehefrauen und Partnerinnen nicht außen vor zu lassen. Ungleich anderer Vereine und Gruppierungen vermeiden die Riesling Harmonists mit allen Kräften das Image eines männlichen Geheimbundes. "Unsere Frauen sind sogar ein wichtiger Garant für Qualität," weiß Bollig voller Stolz zu berichten. Sie seien oft die Ersten, die in den heimischen vier Wänden neue Gesangsstücke zu hören bekämen. Ihre Kritik sei daher hoch willkommen und zeuge von sehr viel Objektivität.
Die nächste Bewährungsprobe steht für den Chor am 29. März an. Und es ist ein besonderes Ereignis. Denn Klaus Basten von der Bayerischen Staatsoper wird im Trittenheimer Jugendheim als Solist zusammen mit den Riesling Harmonists auftreten. Der gebürtige Trittenheimer freut sich, auf diese Art und Weise in seinem Heimatort endlich einmal die Möglichkeit zu einem Auftritt zu haben. Dass der Abend ein Erfolg wird, scheint jetzt schon festzustehen, denn Wochen vor dem Termin ist das Konzert bereits restlos ausverkauft. Die Resonanz ist so groß, dass bereits ein Wiederholungskonzert geplant ist.






